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Pferdefütterung im Sommer: Was Ihr Pferd jetzt wirklich braucht

Der Sommer stellt Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer in der Schweiz vor Fragen, die im Winter kaum eine Rolle spielen: Wie viel Wasser braucht mein Pferd bei Hitze? Ist das Weidegras genug? Oder zu viel? Brauche ich Elektrolyte, und wenn ja, welche? In unserer Beratungsarbeit sehen wir jedes Jahr dieselben Muster: Pferde, die im Sommer unruhig werden, an Gewicht zulegen oder mit Verdauungsproblemen kämpfen und in vielen Fällen spielt die nicht angepasste Fütterung eine zentrale Rolle.

Der Sommer ist nicht einfach die wärmere Version des Winters. Er bringt andere Futtergrundlagen, andere Bedürfnisse und andere Herausforderungen. Wer die Sommerfütterung saisonal anpasst, tut seinem Pferd etwas Gutes und vermeidet viele typische Beschwerden in der Weidesaison.

Was sich im Sommer grundsätzlich ändert

Im Sommer verändert sich das Fütterungsumfeld in mehreren Punkten gleichzeitig:

  • Weidesaison: Frisches Gras enthält mehr Zucker (Fruktane) als Winterheu

  • Hitze und Schwitzen: Der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust steigt deutlich

  • Veränderte Aktivität: Viele Pferde werden im Sommer intensiver geritten oder nehmen an Turnieren teil

  • Heuqualität und Lagerung: Je nach Betrieb wird weniger oder anderes Heu gefüttert – und Futtermittel aus dem Vorjahr verlieren an Nährstoffdichte

Diese Punkte wirken nicht einzeln, sondern zusammen. Eine Fütterungsstrategie, die das nicht berücksichtigt, kann selbst gut gemeintem Engagement zum Nachteil werden.

Hitzestress: Was er mit dem Organismus macht

Hohe Temperaturen sind für Pferde eine echte Belastung und nicht nur ein Komfortproblem. Bei Hitzestress steigt der Energieverbrauch des Organismus für die Thermoregulation, die Futteraufnahme sinkt häufig, und gleichzeitig erhöht sich der Bedarf an Flüssigkeit, Elektrolyten und bestimmten Vitaminen.

Typische Anzeichen für Hitzestress beim Pferd:

  • Starkes Schwitzen, auch in Ruhe

  • Reduzierte Futteraufnahme und Lustlosigkeit

  • Erhöhte Atemfrequenz

  • Verringerte Leistungsbereitschaft und verlangsamte Regeneration

Pferde die im Sommer hohe Leistungen erbringen müssen, ist ein gezieltes Fütterungsmanagement in Hitzeperioden entscheidend. Hier zählt nicht nur was gefüttert wird, sondern auch wann und in welchen Portionen.

Fütterungszeit und Portionen im Sommer: Timing ist entscheidend

Ein oft unterschätzter Punkt in der Sommerfütterung ist das Timing der Fütterungszeiten. Der Pferdemagen ist ein Dauerverdauer welcher auf kontinuierliche, kleine Mengen ausgelegt ist. Nicht auf grosse Portionen in weiten Abständen.

Im Sommer gilt besonders:

  • Kraftfutter und Ergänzungen besser in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilen statt in einer grossen Gabe

  • Fütterungszeiten in die kühleren Tages- oder Abendstunden legen – bei Hitze ist die Futteraufnahme am Mittag ohnehin reduziert

  • Weidezeiten anpassen: Frühmorgendliche Weide bei hohem Fruktangehalt vermeiden, Abendweide ist oft günstiger

  • Futterautomaten können helfen, Raufutter gleichmässig über den Tag zu verteilen und Futterneid unter Pferden in der Gruppe zu reduzieren

Wer diese Grundregeln beachtet, entlastet den Pferdemagen und unterstützt eine stabile Verdauung auch in der Sommerzeit.

Weidegras im Sommer: Chance und Risikofaktor zugleich

Frisches Gras ist für viele Pferde eine willkommene Abwechslung – und gleichzeitig der grösste Unsicherheitsfaktor im Sommer. Das Problem ist nicht das Gras selbst, sondern sein Zuckergehalt.

Fruktane, die im Gras gespeicherten Zucker-Ketten, können bei empfindlichen Pferden die Darmflora belasten und das Hufrehe-Risiko erhöhen. Besonders kritisch sind:

  • Üppiges, schnell gewachsenes Frühjahrs- und Sommergras nach Regen und Sonnenphasen

  • Gestresste Gräser bei Trockenheit oder kurz nach dem Schnitt

  • Morgendliche Weidezeiten – der Fruktangehalt ist dann am höchsten

Das bedeutet nicht, dass Weidegang pauschal schlecht ist. Es bedeutet, dass er beobachtet, dosiert und auf das individuelle Pferd abgestimmt sein sollte – insbesondere bei Pferden mit Stoffwechselthemen wie EMS oder einer Neigung zu Hufrehe.

Wasserbedarf: Unterschätzter Faktor im Sommer

Ein Pferd trinkt unter normalen Bedingungen etwa 20–40 Liter Wasser pro Tag. Bei Hitze und körperlicher Belastung kann dieser Bedarf auf 60–80 Liter und mehr steigen. Wer das nicht aktiv im Blick hat, riskiert subklinische Dehydration – die sich nicht immer dramatisch zeigt, aber Verdauung, Kreislauf und Leistungsbereitschaft spürbar beeinträchtigt.

Tipps für eine gute Wasserversorgung im Sommer:

  • Frisches, kühles Wasser immer frei zugänglich

  • Tränken regelmässig reinigen – Algenbildung reduziert die Trinkbereitschaft

  • Aufmerksamkeit auf Kotwasser als mögliches Zeichen von Elektrolyt-Ungleichgewicht

  • Pferde, die wenig trinken, nehmen oft lieber lauwarmes als eiskaltes Wasser an

Elektrolyte: Wann sinnvoll, wann überflüssig?

Mit dem Schweiss verliert ein Pferd nicht nur Wasser, sondern auch Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium. Bei moderater Arbeit und gutem Grundfutter gleicht sich das meist von selbst aus. Bei intensiver Arbeit, Turnieren oder anhaltender Hitze kann eine gezielte Elektrolyt-Ergänzung sinnvoll sein.

Worauf zu achten ist:

  • Elektrolyte ersetzen kein Wasser – sie regen die Aufnahme an, können aber ohne ausreichend Trinken sogar belasten

  • Qualität und Zusammensetzung prüfen – einfacher Salzzusatz ist nicht dasselbe wie ein ausgewogenes Elektrolytprofil

  • Bedarf individuell einschätzen – ein Freizeitpferd mit 30 Minuten täglicher Bewegung braucht keine sportmedizinische Elektrolytversorgung

Kraftfutter, Hafer und Müsli im Sommer: Oft weniger ist mehr

Viele Pferde auf der Sommerweide nehmen automatisch mehr Energie auf – durch das kalorienreichere Gras. Wer in dieser Phase dieselbe Menge Kraftfutter oder Müsli weitergibt wie im Winter, riskiert Überversorgung mit Energie und Zucker.

Hafer ist im Sommer grundsätzlich gut verdaulich und bekömmlich – sollte aber in der Menge angepasst werden, wenn das Pferd bereits viel Energie über die Weide aufnimmt. Als alleiniges Kraftfutter deckt er zudem den Nährstoffbedarf nicht vollständig ab.

Typische Zeichen, dass die Energieversorgung zu hoch ist:

  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Bewegung

  • Unruhe, verstärkte Reaktionsbereitschaft, „brodeln" unter dem Sattel

  • Verdauungsunregelmässigkeiten (Blähungen, wechselnder Kot)

Empfehlenswerter Ansatz: Kraftfuttermengen im Sommer überprüfen, wenn nötig reduzieren oder auf ein energieärmeres Ergänzungsfutter umstellen. Das Grundfutter – also Heu und Gras – bleibt die Basis.

Mineralfutter und Vitamine im Sommer: Gezielt statt pauschal

Ein häufig unterschätzter Punkt: Frisches Gras ist zwar energiereich, aber nicht automatisch mineralstoffreich. Je nach Region, Bodenbeschaffenheit und Lagerung der Futtermittel können Lücken entstehen.

Besonders relevant im Sommer:

  • Magnesium: Wichtig für Muskulatur und Nervenfunktion, erhöhter Bedarf bei stressigen Tieren oder intensiver Arbeit

  • Natrium und Kalium: Über Schweiss verloren, bei hoher Belastung gezielt nachführen

  • Selen und Vitamin E: Im frischen Gras weniger stabil als oft angenommen – je nach Region relevant

  • Vitamin C: Pferde können Vitamin C selbst synthetisieren, bei Hitzestress oder hoher Belastung kann der Bedarf jedoch ansteigen

  • B-Vitamine: Unterstützen Energiestoffwechsel und Regeneration – bei intensiv arbeitenden Pferden im Sommer relevant

  • Zink und Kupfer: Für Hufe, Haut und Immunsystem – Grünfutter allein deckt den Bedarf nicht immer

In unserem Pferdefutter-Sortiment bei TIER IM MITTELPUNKT finden Sie eine gezielte Auswahl an Kraftfutter, Müsli und Mineralfutter – abgestimmt auf verschiedene Bedarfsprofile.

Kräuter und Pflanzen: Natürliche Unterstützung im Sommer

Kräuter und Heilpflanzen haben in der Pferdehaltung eine lange Tradition – und können auch im Sommer sinnvoll eingesetzt werden. Einige Pflanzen und Kräutermischungen werden gezielt zur Insektenabwehr eingesetzt: Knoblauch, bestimmte Kräuterkombinationen oder Schwarzkümmel können das Schweissgeruch-Profil des Pferdes verändern und so Insekten weniger anziehen.

Darüber hinaus können Kräuter die Verdauung unterstützen, den Stoffwechsel entlasten oder bei Hitze beruhigend wirken. Wichtig dabei: Kräuter sind kein Ersatz für eine ausgewogene Grundversorgung, sondern eine gezielte Ergänzung. Auch hier gilt – bedarfsgerecht statt pauschal.

Insektenschutz: Ein unterschätzter Stressfaktor

Insekten sind im Sommer nicht nur lästig – sie sind ein echter Stressfaktor für viele Pferde, der indirekt auch die Fütterung beeinflusst. Ein Pferd, das ständig gestresst von Insekten ist, frisst unruhiger, bewegt sich mehr und verbraucht dadurch mehr Energie. Starke Insektenbelästigung kann zudem die Ruhezeiten verkürzen und die Regeneration beeinträchtigen.

Massnahmen, die sich bewährt haben:

  • Kräuter und Ergänzungsfutter zur inneren Insektenabwehr (z. B. Knoblauch, Schwarzkümmel)

  • Angepasste Weidezeiten: Dämmerungsaktive Insekten meiden durch Stallhaltung in der Morgen- und Abenddämmerung

  • Äusserlicher Insektenschutz als ergänzende Massnahme

Heu im Sommer: Nicht wegdenken

Ein verbreiteter Fehler: Weil das Pferd auf der Weide steht, wird Heu komplett gestrichen. Rohfaser aus Raufutter ist für eine stabile Darmpassage essenziell – und Weidegang allein liefert je nach Grasangebot, Weidedauer und Pferd nicht immer genug davon.

Grundsatz: Auch im Sommer sollte Raufutter – also Heu oder Stroh – als strukturgebende Komponente im Alltag vorhanden sein, selbst wenn die Menge reduziert wird. Auf die Lagerung achten: Heu, das feucht oder zu warm gelagert wurde, verliert Nährstoffe und kann Schimmelpilze enthalten.

Individuelle Anpassung: Der entscheidende Hebel

Pferdefütterung im Sommer ist kein Thema, das sich mit einer einzigen Empfehlung lösen lässt. Ein Warmblut im Turniersport hat andere Bedürfnisse als ein Isländer auf der Schweizer Alp.

Relevante Faktoren:

  • Rasse und genetische Veranlagung (z. B. leichtfuttrige Rassen wie Ponys oder Isländer)

  • Alter und Lebensphase (Jungpferd, Stute, Senior)

  • Arbeitsbelastung und Disziplin (Freizeit, Sport, Turniere)

  • Weidegang: Dauer, Grasqualität, Tageszeit

  • Vorerkrankungen (Hufrehe, EMS, Magenprobleme)

  • Hufqualität und Fellzustand als sichtbare Indikatoren

Fazit: Sommerfütterung heisst anpassen, nicht ignorieren

Die warme Jahreszeit verändert den Nährstoffbedarf und die Futteraufnahme Ihres Pferdes grundlegend. Weidegras, Hitzestress, starkes Schwitzen und veränderter Heukonsum wirken zusammen – wer die Fütterung einfach weiterläuft wie bisher, übersieht oft wichtige Stellschrauben für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung.

Sie möchten die Fütterung Ihres Pferdes für die Sommersaison gezielt überprüfen oder suchen passende Ergänzungen? Unser Sortiment und unser Beratungsteam bei TIER IM MITTELPUNKT stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

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Häufig gestellte Fragen zur Pferdefütterung im Sommer

Muss ich die Fütterung meines Pferdes im Sommer grundsätzlich umstellen?

Nicht zwingend komplett – aber überprüfen und anpassen. Frisches Weidegras verändert die Energieaufnahme deutlich. Kraftfutter, Futtermengen und Ergänzungen sollten auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt werden.

Was ist Hitzestress beim Pferd und wie erkenne ich ihn?

Bei Hitzestress steigt der Energieverbrauch für die Thermoregulation, die Futteraufnahme sinkt und das Pferd schwitzt auch in Ruhe stark. Weitere Anzeichen sind erhöhte Atemfrequenz, Lethargie und verlangsamte Regeneration nach der Arbeit.

Wann sollte ich mein Pferd im Sommer füttern?

Fütterungszeiten idealerweise in die kühleren Morgen- oder Abendstunden legen. Kraftfutter in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilen – der Pferdemagen ist auf kontinuierliche, kleine Mengen ausgelegt.

Braucht mein Pferd im Sommer Elektrolyte?

Das hängt von der Arbeitsintensität und den Temperaturen ab. Bei leichter bis mittlerer Belastung ist eine gezielte Ergänzung meist nicht nötig – bei intensiver Arbeit, Turnieren oder starkem Schwitzen kann sie sinnvoll sein.

Wie viel Wasser braucht ein Pferd im Sommer?

Je nach Grösse, Belastung und Hitze zwischen 40 und 80 Litern täglich. Frisches, sauberes Wasser sollte immer frei zugänglich sein.

Kann ich Heu im Sommer weglassen, wenn mein Pferd auf der Weide steht?

Nicht vollständig. Strukturiertes Raufutter unterstützt die Darmpassage und gibt dem Pferd die nötige Kauzeit. Auch auf der Weide sollte Heu zumindest als Ergänzung angeboten werden.