Ein Fohlen zu versorgen ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben in der Pferdehaltung und Pferdezucht. Die ersten Lebensmonate legen das Fundament für die gesamte spätere Entwicklung – Knochen, Muskeln, Darmflora, Immunsystem. In unserer Beratungsarbeit begegnen uns immer wieder Fohlen, die mit Verdauungsproblemen, verzögertem Wachstum oder Unverträglichkeiten kämpfen. Und sehr häufig lässt sich ein gemeinsamer Nenner finden: Die Fütterung wurde nicht konsequent an die jeweilige Entwicklungsphase angepasst.
Fohlen sind keine kleinen Pferde. Ihr Verdauungstrakt, ihr Nährstoffbedarf und ihre Fähigkeit, verschiedene Futterkomponenten zu verwerten, unterscheiden sich grundlegend von denen erwachsener Pferde. Wer das versteht – von der Trächtigkeit der Stute bis hin zur Fütterung der Jährlinge – trifft bessere Entscheidungen für die Fohlenaufzucht.
Bedarfsgerechte Fütterung beginnt vor der Geburt
Eine erfolgreiche Fohlenaufzucht beginnt nicht mit der Geburt – sie beginnt während der Trächtigkeit. Die Ernährung der Zuchtstute in den letzten Trächtigkeitsmonaten hat direkten Einfluss auf die Entwicklung des Fohlens, die Qualität der Stutenmilch und die Gesundheit von Stute und Fohlen nach der Geburt.
Besonders in den letzten drei Trächtigkeitsmonaten steigt der Nährstoffbedarf der Stute deutlich an. Der Fötus wächst in dieser Phase am stärksten, und gleichzeitig bereitet der Körper der Stute die Milchproduktion vor. Eine bedarfsgerechte Fütterung der Mutterstute in dieser Zeit berücksichtigt:
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Erhöhten Eiweissbedarf: Hochwertiges Protein mit ausreichend Lysin für Gewebeaufbau und Milchbildung
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Calcium und Phosphor: Im richtigen Verhältnis für die Knochenentwicklung des Fohlens
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Vitamin E und Selen: Wichtig für das Immunsystem des Neugeborenen und die Fruchtbarkeit der Stute
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Beta Carotin: Unterstützt die Fruchtbarkeit und die Qualität des Kolostrums
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Magnesium und Mangan: Relevant für Muskel- und Skelettentwicklung
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Zink und Kupfer: Für Hufe, Haut und ein starkes Immunsystem
Wer die Zuchtstute in der Trächtigkeit gut versorgt, gibt dem Fohlen den bestmöglichen Start ins Leben – noch bevor es die Welt erblickt.
Phase 1: Die ersten Lebenstage – Kolostrum und Stutenmilch
In den ersten Lebenstagen ist die Stutenmilch alles. Sie liefert nicht nur Energie und Eiweiss, sondern – entscheidend – die Antikörper des Kolostrums in den ersten Stunden nach der Geburt. Diese frühe Immunisierung durch das Kolostrum ist nicht nachholbar und nicht ersetzbar: Das Immunsystem des Fohlens ist in den ersten Lebenstagen noch nicht eigenständig funktionsfähig.
Ein gesundes Fohlen trinkt in den ersten Stunden mehrfach und nimmt dabei ausreichend Kolostrum auf. Wenn das nicht klappt – etwa bei einer schwachen oder stutenlosen Situation – ist rasches Handeln gefragt. In solchen Fällen kommt die Ammenstute als Alternative in Betracht, falls verfügbar. Kolostrum-Ersatz oder tierärztliche Unterstützung sind dann keine Option, sondern Notwendigkeit.
In den ersten vier bis sechs Lebenswochen braucht ein Fohlen praktisch kein zusätzliches Futter. Die Stutenmilch deckt den Nährstoffbedarf vollständig – vorausgesetzt, die Mutterstute wird selbst gut versorgt.
Phase 2: Beifutter einführen – wann und womit?
Ab etwa der dritten bis vierten Lebenswoche beginnen Fohlen, das Futter der Mutter zu probieren. Das ist kein Zufall, sondern ein natürlicher Schritt in der Entwicklung: Der Verdauungstrakt reift, und das Fohlen signalisiert mit wachsendem Interesse an Heu und Kraftfutter, dass es bereit ist.
Was dabei zu beachten ist:
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Heu: Qualitativ hochwertiges, weiches Heu sollte von Anfang an zugänglich sein – auch wenn das Fohlen zunächst nur zupft und kaum frisst
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Krippenfutter / Fohlenstarter: Speziell formulierte Fohlenstarterprodukte unterstützen die Entwicklung gezielt und sind auf den erhöhten Bedarf an Lysin, Calcium, Phosphor, Vitamin E und Spurenelementen abgestimmt. Krippenfutter wird dem Fohlen getrennt von der Stute angeboten, damit es die benötigte Menge tatsächlich aufnimmt
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Kein Erwachsenenfutter: Müsli oder Kraftfutter für ausgewachsene Pferde ist für Fohlen nicht geeignet – die Zusammensetzung passt nicht zum Bedarf in der Aufzuchtphase
Das Beifutter sollte schrittweise eingeführt und die Reaktion des Fohlens sorgfältig beobachtet werden.
Phase 3: Absetzen – die kritischste Übergangsphase
Das Absetzen – die Trennung von der Stute – ist für viele Fohlen die grösste ernährungsphysiologische Herausforderung in der frühen Entwicklung. Der Wegfall der Stutenmilch bedeutet nicht nur eine emotionale Belastung, sondern auch eine grundlegende Umstellung der Nährstoffversorgung. Das Absetzen erfolgt üblicherweise im fünften bis siebten Lebensmonat.
Typische Probleme rund ums Absetzen:
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Gewichtsverlust durch Stress und veränderte Futteraufnahme
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Verdauungsunruhe, weicher Kot, Blähungen
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Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen durch Immunstress
Was hilft: Eine gute Vorbereitung. Wenn das Fohlen bereits vor dem Absetzen zuverlässig Heu und Beifutter aufnimmt, ist der Übergang deutlich sanfter. Das Absetzen sollte nicht mit anderen Stressfaktoren zusammenfallen – kein gleichzeitiger Stallwechsel, keine Umgruppierungen.
Welches Futter für Fohlen nach dem Absetzen?
Nach dem Absetzen trägt die Fütterung die volle Verantwortung für die Entwicklung. Raufutter bleibt die Basis – Heu in guter Qualität, frei zugänglich oder mehrmals täglich angeboten. Dazu kommt ein strukturiertes Aufbauprogramm:
Raufutter: Weiches, staubarmes Heu bildet die Grundlage. Es fördert die Entwicklung des Verdauungstrakts, liefert Rohfaser und deckt einen grossen Teil des Energiebedarfs.
Kraftfutter / Jungpferdefutter: Speziell für den erhöhten Bedarf in der Wachstumsphase formuliert. Achten Sie auf:
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Ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis für die Knochenentwicklung
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Hochwertiges Eiweiss mit ausreichend Lysin und Methionin
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Vitamin E, Beta Carotin, Zink, Kupfer und Mangan für Immunsystem, Fellqualität und Skelettentwicklung
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Moderate Energiedichte – zu viel Energie fördert überschiessenes Wachstum und belastet Gelenke und Sehnen
Hafer: Hafer ist für Jungpferde grundsätzlich gut verdaulich und kann in Massen sinnvoll eingesetzt werden. Er sollte jedoch nicht die einzige Kraftfutterkomponente sein, da er ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis aufweist und allein keinen ausgewogenen Nährstoffbedarf deckt.
Mineralfutter / Ergänzungsfutter: Auch wenn ein gutes Jungpferdefutter bereits Mineralstoffe enthält, lohnt es sich, die Versorgung gezielt zu überprüfen – insbesondere bei Weidegang, der je nach Region und Bodenbeschaffenheit Lücken bei Spurenelementen wie Selen, Mangan oder Zink hinterlassen kann.
In unserem Pferdefutter-Sortiment bei TIER IM MITTELPUNKT finden Sie Kraftfutter, Mineralfutter und Ergänzungsfutter, das auf die Ansprüche von Fohlen und Jungpferden abgestimmt ist.
Fütterung der Jährlinge: Wachstum braucht Kontinuität
Mit dem ersten Geburtstag ist die intensive Wachstumsphase noch nicht abgeschlossen. Jährlinge haben weiterhin einen erhöhten Nährstoffbedarf – insbesondere für die Entwicklung von Knochen, Sehnen und Muskulatur. Häufig wird die Fütterung in diesem Lebensmonat bereits zu stark an die Erwachsenenernährung angepasst, was zu Versorgungslücken führen kann.
Für Jährlinge gilt:
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Raufutter als Basis beibehalten
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Jungpferdefutter weiterführen oder gezielt auf Jährlingsprodukte umstellen
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Mineralstoff- und Spurenelementversorgung weiter im Blick behalten
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Energiemenge an tatsächliche Bewegung und Wachstumsgeschwindigkeit anpassen
Häufige Fehler in der Fohlenaufzucht
Einige Muster begegnen uns in der Beratung immer wieder:
Zu viel Energie, zu früh: Gut gemeinte üppige Kraftfuttergaben können das Wachstum beschleunigen – aber nicht gleichmässig. Knochen, Sehnen und Gelenke wachsen langsamer als Muskelmasse. Das Ergebnis sind Entwicklungsstörungen, die sich oft erst Monate später zeigen.
Mineralstoffmangel trotz viel Futter: Ein Fohlen kann kalorisch gut versorgt sein und trotzdem an Spurenelementen wie Kupfer, Zink, Mangan oder Selen mangeln. Diese Lücken bleiben oft lange unbemerkt, hinterlassen aber Spuren im Knochenstoffwechsel, im Fellbild und im Immunsystem.
Calcium-Phosphor-Verhältnis ignorieren: Hafer oder getreidelastige Rationen können das Verhältnis ungünstig verschieben. Ein Ungleichgewicht bei Calcium und Phosphor beeinträchtigt die Knochenentwicklung dauerhaft.
Abrupte Futterumstellungen: Der Verdauungstrakt eines Fohlens reagiert empfindlich auf plötzliche Veränderungen. Jede Umstellung – ob neues Heu, neues Kraftfutter oder neue Weide – sollte schrittweise über mehrere Tage erfolgen.
Wasser unterschätzen: Auch Fohlen brauchen frisches, sauberes Wasser ab dem ersten Lebenstag frei zugänglich. Viele unterschätzen, wie früh Fohlen trinkt und selbstständig Wasser aufnimmt.
Individuelle Entwicklung im Blick behalten
Kein Fohlen entwickelt sich exakt gleich. Rasse, Geburtsgewicht, Gesundheitszustand, Stutenmilchleistung und Haltungsbedingungen beeinflussen, wie ein Fohlen aufwächst und welche Mengen und Zusammensetzungen es braucht.
Orientierungspunkte, die Sie regelmässig prüfen sollten:
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Körperkondition: Weder zu mager noch zu rund
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Fellqualität: Glänzend, gleichmässig, ohne kahle Stellen
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Kotbeschaffenheit: Stabil, geformt, ohne häufige Abweichungen
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Wachstumsgeschwindigkeit: Gleichmässig, ohne Sprünge
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Aktivität und Verhalten: Neugierig, verspielt, aufmerksam
Wenn eines dieser Signale dauerhaft aus dem Rahmen fällt, lohnt es sich, die Fütterung strukturiert zu überprüfen – und nicht einfach mehr Futter zu geben.
Fazit: Fohlen füttern heisst Entwicklung gestalten
Die Fohlenaufzucht beginnt mit der Trächtigkeit der Zuchtstute und endet nicht mit dem Absetzen. Jede Phase – von den ersten Lebenstagen über das Beifutter bis hin zur Jährlingsversorgung – hat ihre eigenen Ansprüche an Eiweiss, Energie, Vitaminen und Mineralstoffen. Wer bedarfsgerecht füttert und die Fütterung konsequent an die jeweilige Entwicklungsphase anpasst, legt den Grundstein für ein gesundes, stabiles Pferd. Fehler in dieser Phase lassen sich später oft nur schwer korrigieren.
Sie möchten die Fütterung Ihres Fohlens oder Ihrer Zuchtstute gezielt absichern oder suchen passende Produkte für die Aufzucht? Unser Beratungsteam und unser Sortiment bei TIER IM MITTELPUNKT stehen Ihnen gerne zur Verfügung.
Häufig gestellte Fragen zur Fohlenfütterung
Ab wann kann ein Fohlen Beifutter bekommen?
Ab etwa der dritten bis vierten Lebenswoche beginnen Fohlen eigenständig Heu und erste Kraftfuttermengen aufzunehmen. Spezielles Krippenfutter oder Fohlenstarterprodukte können ab diesem Zeitpunkt schrittweise eingeführt werden.
Welches Futter ist für Fohlen ungeeignet?
Kraftfutter und Müsli für ausgewachsene Pferde sind für Fohlen nicht geeignet. Die Zusammensetzung – insbesondere das Calcium-Phosphor-Verhältnis und die Energiedichte – passt nicht zum Nährstoffbedarf in der Wachstumsphase und kann Skelettentwicklungsstörungen begünstigen.
Wie viel Heu braucht ein Fohlen nach dem Absetzen?
Heu sollte nach dem Absetzen die Grundlage der Fütterung bilden und möglichst frei zugänglich sein. Als Orientierung gilt: mindestens 1,5 bis 2 % des Körpergewichts täglich in Raufutter.
Wann sollte ein Fohlen abgesetzt werden?
Das Absetzen erfolgt üblicherweise im fünften bis siebten Lebensmonat. Entscheidend ist, dass das Fohlen bereits zuverlässig Heu und Beifutter aufnimmt und der Übergang möglichst stressfrei gestaltet wird.
Warum ist die Fütterung der Zuchtstute in der Trächtigkeit so wichtig?
Die Ernährung der Stute in den letzten Trächtigkeitsmonaten beeinflusst direkt die Knochenentwicklung des Fohlens, die Qualität des Kolostrums und die Stutenmilchleistung. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Eiweiss, Calcium, Phosphor, Vitamin E und Beta Carotin ist in dieser Phase besonders wichtig.
Brauchen Jährlinge noch spezielles Jungpferdefutter?
Ja. Mit dem ersten Lebensjahr ist das Wachstum noch nicht abgeschlossen. Jährlinge haben weiterhin einen erhöhten Bedarf an Eiweiss, Mineralstoffen und Spurenelementen. Eine zu frühe Umstellung auf Erwachsenenfutter kann zu Versorgungslücken führen.




